Die Kartenleger

 

Was können die Kartenleger und Kartenlegerinnen gegen die Suchtproblematik tun?

 
 

 

Die Themen dieses Kapitels zum Anklicken:

 

 

 

Den Kundenstamm durchchecken

Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass das, was die Kartenlegerinnen anrichten bei den Menschen, die sie süchtig machen und finanziell ausnehmen, auch eine Rückwirkung auf ihr eigenes Leben haben wird. (Sie kennen sich ja selbst bestens aus mit Karma.) Deshalb macht es Sinn für die Beraterinnen, einmal ihren Kunden-Stamm nach „Stamm-Kunden“ durchzuchecken, welche davon Suchpotential haben und was sie als Beraterinnen tun können, um den Betroffenen zu helfen, davon wieder frei zu werden und davon loszukommen.

 

 

Der Kunde erkennt sich selbst und seine Situation und wird handlungsfähig

Wenn die ihren Kunden klarmachen, dass ihre Zukunft nicht festgeschrieben ist, dann können sie ihnen kaum mit einer Zukunftsprognose oder Prophezeiung dienen. Stattdessen können sie ihnen jedoch helfen herauszufinden, was sie wirklich wollen und wofür es sich für sie lohnt zu kämpfen und sich einzusetzen. Das sind wirklich wertvollere Erkenntnisse, die ein Kunde in einer Beratung erhalten kann: Einerseits zu erkennen, was man will, und andererseits möglichst auch noch herauszufinden, wie man es am besten verwirklichen kann.

Eine wirklich gute Beraterin kann ihrem Kunden dabei behilflich sein, dieses für sich selbst herauszufinden. Dabei geht es besonders darum, dass es die Erkenntnisse des Kunden sein müssen – seine Erkenntnisse. Er muss es selbst für sich erkannt haben. Es geht nicht darum, dass er einer spirituellen Autorität (der Beraterin oder ihrem geistigen Helfer) gehorcht und ihre Ratschläge folgsam annimmt.

 

 

Ein „Nein“ zum Gespräch ist ein „Ja“ zum Kunden.

Seriöse Berater sagen auch einmal nein, wenn die Kunden mehrmals hintereinander auf das gleiche Problem die Karten gelegt haben wollen. Doch letztendlich bringt das alles nichts, wenn nicht der Kunde selbst die Erkenntnis und die Einsicht seiner Suchtproblematik hat und die Absicht, etwas daran zu ändern. Auch wenn die einzelnen Beraterinnen sagen „Ich telefoniere nur ein Mal im Vierteljahr mit dir.“, hilft es nicht viel. Denn es gibt ja Tausende von Beraterinnen und wenn ein Kunde das will, so kann er dennoch hunderte von Gesprächen im Monat vertelefonieren. Vor allem findet er immer welche, die sich gerne von ihm regelmäßig bezahlen lassen.

Wie bereits erwähnt, gehört ein sehr hohes Verantwortungsbewusstsein dazu, wenn man sich beruflich Menschen zuwendet, die sich häufig gerade in einer Krise befinden. Diese Menschen sind in dieser Phase sehr schwach und passiv und greifen nach jedem Strohhalm. Es geht also gerade darum, diese Menschen stark zu machen und ihnen wieder auf die Beine zu helfen, dass sie wieder an sich glauben und ihre Probleme und Herausforderungen selbst meistern können.

Wenn die Kartenlegerin merkt, dass der Kunde bereits abhängiges Verhalten zeigt, so ist die professionelle Lösung, ihn an eine Fachkundige Beratungsstelle zu verweisen. Wie zum Beispiel die TelefonSeelsorge in Deutschland oder einen Psychologen. Dort wird er nämlich so lange gratis betreut, bis er wieder stabil auf eigenen Füßen steht. Die Kartenlegerinnen müssen hier ernsthaft abwägen, ob sie bei ihren abhängigen Kunden weiterhin die Verantwortung tragen wollen und können. Wirklich kompetente Berater erkennen auch die Grenzen ihrer Kompetenz und übergeben ihre Kunden bei Bedarf anderen Beratern mit speziellen Fachkompetenzen.

Hier eine Gewissensfrage an die Kartenlegerinnen und Kartenleger: Würdest du deine Kundin so lange gratis (also quasi ehrenamtlich) immer wieder beraten, bis es ihr wieder gut geht? Nur aus reiner Nächstenliebe und dem Bedürfnis, anderen Menschen hilfreich zur Seite zu stehen? Die Beraterinnen der TelefonSeelsorge in Deutschland tun dies.

Bemerkenswert finde ich in dem Zusammenhang, was Anne Biwer für die professionelle Arbeit beim Kartenlegen empfiehlt: Wenn die Beraterin durch ihre Karten sieht, dass der Kunde unter anderem auch echte Geldprobleme hat, sollte sie von ihm nur nur einen symbolischen Minimal-Betrag (z. B. 1 Cent) verlangen.(*7)

Mic Schneider schreibt von einer Beraterin, die bei einer Kundin mit Geldproblemen das Telefonat nach kurzer Zeit abbrach mit den Worten: „ ... Und damit deine finanzielle Situation nicht noch schlechter wird, beenden wir unser Gespräch jetzt. Melde dich, wenn es dir wieder besser geht! Bis dahin alles Gute. Tschüss.“(*8) So etwas ist doch nachahmenswert oder?